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Die
Engelsburg (italienisch Castel Sant' Angelo) in Rom ist ein
Mausoleum, das ursprünglich für Kaiser Hadrian (76–138) und
seine Nachfolger errichtet wurde. Der Bau wurde noch zu
Lebzeiten Hadrians unter der Leitung des Architekten
Demetrianus begonnen und im Jahr 139 unter Antoninus Pius
beendet. Das Grabmal war in der Spätantike unter dem Namen
Hadrianeum bekannt. Heute wird die Bezeichnung Hadrianeum
für den Tempel des Hadrian an der Piazza di Pietra
verwendet. Im Mausoleum des Hadrian wurden folgende
Persönlichkeiten beigesetzt:
Kaiser Hadrian selbst und seine Frau Sabina,
Kaiser Antoninus Pius und seine Frau Faustina,
Kaiser Lucius Verus,
Kaiser Mark Aurel,
Kaiser Commodus,
Kaiser Septimius Severus und
Kaiser Marcus Aurelius Antoninus Bassianus, besser bekannt
als Caracalla.
Das Grabmal hatte die Form eines flachen Zylinders (64 m
Durchmesser, 20 m hoch) aus Peperin (Vulkangestein) und opus
caementicium (römischer Beton), bedeckt mit Travertin
(Kalkstein), der auf einem mit Marmor verkleideten
quadratischen Sockel (je nach Angabe 84-89 m Seitenlänge,
10-15 m hoch) errichtet wurde. Die Oberseite des Zylinders
war vermutlich als ein Garten mit Zypressen gestaltet. In
der Mitte stand wahrscheinlich ein kleiner runder Tempel. An
der Spitze stand eine Quadriga, die Hadrian als Sonnengott
zeigte. Es gibt aber auch andere Rekonstruktionen, die von
einem hohen Kegel aus Stein statt Garten und Tempel
ausgehen. In der Mitte des Mausoleums befand sich die
Grabkammer, über der folgende Inschrift für Hadrian
angebracht war:
ANIMULA VAGULA BLANDULA
HOSPES COMESQUE CORPORIS
QUAE NUNC ABIBIS
IN LOCA PALLIDULA RIGIDA NUDULA
NEC UT SOLES DABIS IOCAS.
(Seelchen, freundliches, wanderlustiges Seelchen, Gefährtin
meines Leibes, der dir Gastfreundschaft bot, jetzt geht es
hinab in jene bleichen, herben, kahlen Gefilde, wo du den
Spielen entsagen musst, die du liebtest.) Der
architektonische Stil mag ungewöhnlich erscheinen, aber es
gab damals ähnliche Bauten, wie das Mausoleum des Kaisers
Augustus auf dem Marsfeld, von dem heute nur mehr eine Ruine
übrig ist. Der Stil geht auf die noch viel älteren
Grabbauten der Etrusker zurück. Als die Stadtmauer von
Kaiser Aurelian (die Aurelianische Mauer) unter den Kaisern
Honorius (395–423) und Arcadius (395–408) vom Magister
militum (Heermeister) Stilicho verstärkt wurde, integrierte
man das solide gebaute Mausoleum als Zitadelle in die
Befestigungen. Den heutigen Namen erhielt die Anlage im Jahr
590, als in Rom die Pest wütete. Papst Gregor I. der Große
soll über dem Grabmal die Erscheinung des Erzengels Michael
gesehen haben, der ihm das Ende der Pest verkündete, indem
er das Schwert des göttlichen Zorns in die Scheide steckte.
Da die Pest wirklich zu Ende ging, erinnert heute noch die
Statue des Engels auf der Spitze des Gebäudes an diese
Episode. Von 1577-1753 stand dort oben ein von Guglielmo
della Porta geschaffener Engel aus Marmor, der heute im
Innenhof, dem Cortille dell'Angelo zu sehen ist. Dieser
wurde dann durch die heutige, von Peter Anton von
Verschaffelt entworfene Figur aus Bronze ersetzt. Außerdem
wurde dem Erzengel eine um 610 von Papst Bonifatius IV.
eingebaute Kapelle gewidmet. Ab dem 10. Jahrhundert war die
Engelsburg im Besitz der Päpste und diente als Zuflucht,
unter anderem während der großen Plünderung Roms (der "Sacco
di Roma") durch die Truppen von Kaiser Karl V. im Jahr 1527.
Ebenso flohen Gregor VII. vor Heinrich IV.
(Investiturstreit) und Pius VII. vor Napoleon I. Bonaparte.
Ein etwa 700 m langer geheimer Gang (Passetto oder Corridore
di Borgo genannt), der 1277 von Papst Nikolaus III. gebaut
wurde, verbindet die Engelsburg mit dem Palast des Papstes
im Vatikan. Die Engelsburg diente in späteren Jahren auch
als Gefängnis und Folterkammer der Inquisition. Giordano
Bruno, Galileo Galilei und Alessandro Cagliostro waren
beispielsweise berühmte Gefangene der Engelsburg. Diverse
Päpste ließen die Engelsburg ausbauen. Alexander VI.
errichtete die vier Bastionen und die päpstlichen Gemächer.
Sixtus V. richtete die Schatzkammer ein, in der sich auch
ein Teil des Geheimarchivs befand. Gegen Ende des 18.
Jahrhunderts vernachlässigten die Päpste den Ort, bis die
Burg im 19. Jahrhundert von den Soldaten der französischen
Republik beschlagnahmt wurde. Im Jahre 1870 ging die
Befestigung in den Besitz des italienischen Staates über.
Die Säle wurden zum Teil als Museum eingerichtet und die
Burg wurde dem Publikum zugänglich gemacht. Insgesamt lässt
sich das Bauwerk in seiner heutigen Gestalt in fünf Ebenen
einteilen. Von der untersten Ebene führt eine 122 m lange
Rampe spiralförmig aufwärts. In der zweiten Ebene gibt es
das Gefängnis und Lagerräume für Weizen und Öl. Die dritte
Etage ist die militärische mit zwei Innenhöfen. Von Cortille
dell'Angelo aus gelangt man in die päpstlichen Gemächer und
ins Museum. Die wichtigste Ebene ist die vierte. Hier findet
man das Papstappartement, eine Raumfolge mit manieristischen
Fresken von Perino del Vaga, Giulio Romano und anderen
Künstlern aus der Schule Raffaels sowie die Säle Pauls III.,
Clemens VII., Clemens VIII. und Leos X. Auch die Loggien von
Giuliano da Sangallo und Donato Bramante sowie die Sala del
Tesoro (Schatzkammer) sind hier zu sehen. Ganz oben kommt
man schließlich auf die Terrasse, wo neben dem Bronzeengel
die sogenannte Armsünderglocke (Campana della Misericordia)
zu sehen ist, die an die Vergänglichkeit des Schönen und die
Grausamkeit der Welt erinnert. Im Museum (Museo di Castel
Sant’Angelo) werden seit 1901 in 58 Sälen neben der
Geschichte des Bauwerks auch Waffen, Möbel und
Gebrauchsgegenstände gezeigt. Bei Untersuchungen der
Bausubstanz im Jahr 2005 stellte man gravierende
strukturelle Mängel in der Bausubstanz fest. Die
archäologischen Behörden von Rom warnten, dass ohne
Maßnahmen einige Türme der Engelsburg einzustürzen drohten.
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